Thüringer Preis zur Förderung der Baukultur 2010 - Preisträger und Anerkennungen

Der Thüringer Preis zur Förderung der Baukultur 20201 wurde gefördert durch die Thüringer Landesregierung
und unterstützt durch: Sparkasse Mittelthüringen, LEG Thüringen mbH, VHV Versicherungen, Architektenkammer Thüringen, Ingenieurkammer Thüringen

Preisträger

Preisträger sind drei Projekte, die auf sehr unterschiedliche Weise der Zielrichtung des Preises und dem Grundanliegen der Stiftung Baukultur, eine breite Öffentlichkeit für die Qualität unserer gebauten Umwelt zu interessieren und zu sensibilisieren, entsprechen:

Radhaus am ICE-Bahnhof Erfurt

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Fahrradstation – Neuer Typus Stadtmöblierung –  Radhaus am ICE-Bahnhof Erfurt

Foto: Michael Miltzow, Bildwerk Weimar

Bauherr
Landeshauptstadt Erfurt

Planungsbüros und weitere Beteiligte
Osterwold Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung der Landeshauptstadt Erfurt
Tragwerksplanung: Büro Hennicke + Dr. Kusch, Weimar
HLS / Elektroplanung: IB Pöhlmann, Erfurt
Lichtplanung: Torsten Braun, Limburg

Beurteilung des Preisgerichts
Die Stadt Erfurt bemüht sich über vielfältige Aktivitäten urbanes Leben in der Innenstadt zu festigen und im Rahmen der Neugestaltung von Zentren und Plätzen Synergien zwischen Funktionalität, Gestaltung und Urbanität zu schaffen. Diese Aktivitäten sind im Sinne der Förderung der Baukultur in Thüringen zu würdigen. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Konzipierung und Umsetzung des „Radhauses“ am ICE-Bahnhof in Erfurt. Eine Fahrradstation als Schlussstein für die Neugestaltung des Gesamtensembles ICE-Bahnhof Erfurt zu schaffen, wurde im Auftrag des Hochbauamtes der Stadt durch die Planer nach ihren eigenen Worten „als Hybrid aus funktionellem Stadtmöbel und anspruchsvollem Gebäude“ interpretiert. Das Projekt spricht in seiner eigenwilligen Architektursprache die ihm innewohnenden Funktionen an, lädt den Nutzer ein, das Gebäude progressiv wahrzunehmen und zu nutzen. Das Radhaus schafft eine hervorragende Symbiose zwischen Radverkehr, Bahnverkehr und ÖPNV und kann als Pilotprojekt für Thüringen punkten. Die Verknüpfung der verschiedenen Funktionen, die in diesem Projekt ihre Heimstadt gefunden haben, sind ein wichtiges Element, um dem pulsierenden Leben am Bahnhofsvorplatz ein Kleinod hinzuzufügen, dass neben Funktionalität Raum zum Verweilen bietet. Die Jury hebt mit der Preisverleihung an dieses Projekt den Mut der Auftraggeber und die gestalterische und umsetzungstechnische Lösung der Planer hervor. Das Projekt steht für eine klare Gestaltung kombiniert mit einem hohen Anspruch an Funktionalität. Es fördert die Urbanität der Innenstadt und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu gelebter Baukultur. In diesem Sinne ist besonders hervorhebenswert, dass es gelungen ist, die städtebaulichen Planungsinstrumente in Kombination mit der Kreativität der Planungspartner für einen zentralen Punkt der Stadt zu nutzen und die Verbindung moderner Architektur mit erforderlicher Nutzung urbanitätsfördernd herzustellen. Dieses Projekt zeigt in beeindruckender Weise, dass baukulturelle Aspekte bei kooperativem Handeln verschiedener Partner sehr effizient umsetzbar sind.

Seniorensiedlung „Am langen Bürgel“ Kahla

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Seniorensiedlung „Am langen Bürgel“ Kahla

Bauherr
Diakonie Ostthüringen Wohn- und Seniorenzentrum Käthe Kollwitz gGmbH, Jena

Planungsbüros und weitere Beteiligte
Jörg Lammert Architekten, Planungsbüro für soziale Aufgaben, Weimar
Tragwerksplanung: BC Architekten und Ingenieure, Lutherstadt Wittenberg
Möbelgestaltung: Diakonie-Verbund Eisenach gGmbH, Unstrut-Hainich-Werkstätten, Bad Langensalza
Kunst am Bau: Kunstwerkstatt der Diakonie-Verbund Eisenach gGmbH

Beurteilung des Preisgerichts
In der Stadt Kahla wurde mit der Seniorensiedlung „Am langen Bürgel“ ein Wohnprojekt für alte Menschen realisiert, das in vorbildlicher Weise auf eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit eingeht: den demografischen Wandel. Wenn man baukulturelles Engagement so versteht, dass es sich in zentraler Weise auf die Verbesserung der Lebensqualität richtet, dann können und müssen auch Architektur und Städtebau bei der Gestaltung der Lebens- und Wohnverhältnisse alter und zum Teil auch pflegebedürftiger Menschen eine wesentliche Rolle spielen. Das ist in Kahla gelungen. Von großer Bedeutung ist schon die städtebauliche Entscheidung, die Seniorensiedlung in den Stadtraum zu integrieren und nicht in isolierte Randlagen abzudrängen. Aber auch bei der Planung der internen räumlichen Strukturen haben die Architekten sowohl beim Wohngemeinschaftshaus als auch im Bereich Pavillonwohnen das Ziel verfolgt, der Vereinzelung und damit Vereinsamung der Bewohner durch vielerlei Möglichkeiten der Begegnung und des Zusammenlebens entgegenzuwirken. Gleichzeitig wurde durch geeignete planerische Maßnahmen dafür gesorgt, dass auch bei zunehmender Pflegebedürftigkeit kein Umzug notwendig wird, um so die auch psychologisch wichtige Stabilität der Wohnsituation sicherzustellen. Insgesamt ist es den Beteiligten in beeindruckender Weise gelungen, ein Projekt von hoher sozialer Qualität zu schaffen.

Trilogie „Stadtentwicklung und Kulturlandschaft Thüringen“

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Trilogie „Stadtentwicklung und Kulturlandschaft Thüringen“

Beteiligte
Prof. Dr. habil. Max Welch Guerra mit
Prof. Hildegard Barz-Malfatti,
Prof. Dr. Hans-Heinrich Meyer,
Dipl.-Ing. Katja Fischer,
Dipl.-Des. Katja Bose,
Dipl.-Ing. Caroline Kauert,
Dipl.-Ing. Ulla Schauber und
zahlreichen weiteren Autoren und Mitarbeitern

Herausgeber
Band 1: Bauhaus-Universität Weimar und Thüringer Ministerium für Bau und Verkehr
Band 2: Bauhaus-Universität Weimar und Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Medien
Band 3: Bauhaus-Universität Weimar, Fachhochschule Erfurt und Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr

Beurteilung des Preisgerichts
Die Trilogie wurde von Autorinnen und Autoren der Bauhaus- Universität Weimar, der Fachhochschule Erfurt, der Friedrich- Schiller-Universität Jena sowie Fachleuten weiterer, größtenteils Thüringer Institutionen, erarbeitet. Die Publikationen stellen drei unterschiedliche Zugriffe auf die baulich-räumliche und baukulturelle Entwicklung Thüringens dar. Es ist einmal eine systematische Feldstudie der Städte und Stadtentwicklungspolitik (Stadtland Thüringen), zum Zweiten eine exemplarische Tiefenuntersuchung einer Kleinstadt (Bad Langensalza – 20 Jahre Stadtentwicklung) und drittens die für Thüringen besonders wichtigen Zusammenschau von Landschaft und Stadt (Kulturlandschaft Thüringen). Diese drei Bände sind Bücher, die für sich jeweils stehen können und andererseits mit sich auch anderen fach- und sachverwandten Büchern in einem intertextuellen Dialog treten können. Sie sprechen nicht nur ein akademisches Milieu an, sondern auch die breite Öffentlichkeit. In ihrer Eigenschaft als Ausstellungskataloge sind sie die Materialbasis für drei Ausstellungen, die einem breiten Publikum Taten, Erfolge und offene Fragen der Thüringer Baukultur vermitteln. Eine weitere Verbreitung der Inhalte auf Vorträgen, weiteren Ausstellungen und anderen Veranstaltungen wäre wünschenswert, denn solch eine vergleichbare Übersicht und Analyse sowie die konzeptionale Auseinandersetzung zu den Perspektiven seiner Baukultur besitzt kaum ein anderes Bundesland. Die Widerspiegelung der materiellen und auch ideellen Werte der Thüringer Städte und Gemeinden sowie die Darstellung der bewusst hervorgerufenen Veränderungen durch öffentliche und private Protagonisten und auch die Identifizierung eines Großteils der Bevölkerung mit diesen Veränderungen seit der Wiedervereinigung und der Neugründung Thüringens zeigen die Möglichkeit, mit Baukultur die Zukunftsfähigkeit Thüringens zu steigern.

Anerkennungen

Modellvorhaben „Wohngebietserweiterung Kiefernweg“ in Erfurt

Tätigkeit des Gestaltungsbeirats unter Leitung von Prof. Michael Mann Blog- und Diskussionsplattform zur Beförderung einer kritischen Debatte zum Umgang mit der Mensa am Park in Weimar

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Modellvorhaben „Wohngebietserweiterung Kiefernweg“ in Erfurt

Auftraggeber
Landeshauptstadt Erfurt
Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH

Gestaltungsbeirat
Prof. Michael Mann, Architekt BDA, Vorsitzender
Klaus Thomann, ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Erfurt, stellvertretender Vorsitzender
Prof. Nikolaus Zieske, Architekt BDA, Gießen
Dr. Claus Worschech, Architekt BDA, Erfurt
Frank Leipe, LEG Thüringen mbH, Erfurt
als Berater:
Sabine Göldner, Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Erfurt
Michael Dane, Landschaftsarchitekt BDLA, Weimar

Beurteilung des Preisgerichts
Die Wohngebietserweiterung Kiefernweg in Erfurt stellt nach Auffassung der Jury einen überzeugenden Beitrag zur Entwicklung der Planungskultur im Freistaat Thüringen dar. Planungskultur baut auf Partnerschaft der verschiedensten Beteiligten und deren Willen zur Qualität. Planungskultur braucht aber auch Zeit zur Konzeption, Diskussion und Beratung im Umsetzungsprozess. Das vorliegende Ergebnis der Wohngebietserweiterung Kiefernweg in Erfurt hebt sich insofern deutlich von vergleichbaren Planungsprozessen in den letzten zwanzig Jahren städtebaulicher Entwicklung in Thüringen ab. Stadt, Grundstückseigentümer und verantwortlicher städtebaulicher Planer haben einen Qualitätsanspruch formuliert, Planungs- und Umsetzungsphase als Gesamtprozess betrachtet und eine gemeinsame ganzheitliche Verantwortung zur Begleitung dieses Prozesses praktiziert. Die Jury sieht gerade in dieser gemeinsamen, öffentlich wahrnehmbaren Verantwortung für eine Planung auch in der Umsetzung eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung einer neuen Qualität von Planungskultur. Im Ergebnis ist auch für den nicht fachkundigen aber interessierten Bürger ein Mehrwert durch qualitätsvolle Planung und Begleitung in der Umsetzung deutlich erkennbar. Dies ist nach Auffassung der Jury eine wesentliche Voraussetzung für eine breitere Verankerung baukultureller Themen in der Öffentlichkeit. Erst ein überzeugender städtebaulicher Mehrwert im Interesse der Allgemeinheit und ein individueller Mehrwert für den Bauherrn als Ergebnis eines qualitätsvollen Planungsprozesses lassen eine breitere Akzeptanz von Planung erwarten. Dies bildet nach Auffassung der Jury auch die Voraussetzung für stärkeres bürgerschaftliches Engagement für die Baukultur. Damit liefert der Beitrag neue Impulse für die Diskussion zur Baukultur in Thüringen.

Initiative „mensadebatte.de“

Blog- und Diskussionsplattform zur Beförderung einer kritischen Debatte zum Umgang mit der Mensa am Park in Weimar

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Moritz Fritz, Florian Kirfel, Johannes Schäfer, Johann Simons

Initiatoren und Betreiber
Moritz Fritz
Florian Kirfel
Johannes Schäfer
Johann Simons

Beurteilung des Preisgerichts
Das Projekt „Mensadebatte“ ist ein Blog, eine Diskussionsplattform (www.mensadebatte.de), angestoßen, die Anfang der 1980er Jahre gebaute Mensa der HAB Weimar / Bauhaus-Universität Weimar vor einem möglichen Abriss zu schützen. Die Jury anerkennt, dass hier ein hochmodernes Medium engagiert genutzt wird, eine brisante Architekturdebatte in die Öffentlichkeit zu tragen und das dialogische Potential des Blogs für die Baukultur, welche immer auch eine Kultur des Diskurses verlangt, fruchtbar zu machen. So positiv die Jury eine Debatte um den Rang der Architektur der DDR wahrnimmt und sosehr sie eine Haltung respektiert, die den Verlust markanter Bauten der DDR-Moderne verhindern möchte, sowenig geht es hier um eine vordergründige Parteinahme im konkreten Fall. Denn diese Debatte stand im Kontext des avisierten Baus einer neuen Mensa und des neuen Bauhaus- Museums an eben diesem Standort. Auch die Frage, welcher Rang dem Mensa-Bau im Kontext der 80er und heute zugemessen werden sollte, bleibt offen. Der Fokus, den die Jury nachdrücklich honorieren möchte, liegt auf dem Einsatz des modernsten Mediums für die Architekturdebatte.

Kulturgut „Quellenhof“ in Garbisdorf

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Kulturgut Quellenhof Garbisdorf

Bauherr
Gemeinde Göpfersdorf / VG Wieratal

Planungsbüro
Freier Architekt Dipl.-Ing. Jan Godts, Windischleuba
Eingereicht von der Gemeinde Göpfersdorf / VG Wieratal

Beurteilung des Preisgerichts
Mit der schrittweisen Sanierung dieses für die ostthüringer Region typischen Beispiels eines mittelalterlichen Vierseithofes tragen Gemeinde, Gemeinschaft und Planer in vorbildhafter Art und Weise zur Vitalisierung des dortigen Lebensraumes bei. Das Kulturgut ist zugleich ein anerkennenswertes Beispiel heutiger Baukultur im Bereich des Erhalts profaner Baudenkmäler und deren Umnutzung. Es gelingt den Trägern und Autoren, die seit 2001 mit dem Erwerb initiierte und seit 2005 in Realisierung befindliche bauliche Ertüchtigung mit dem vorrangig auf Öffentlichkeit ausgerichteten Nutzungskonzept denkmalpflegerisch behutsam und Authentizität bewahrend zu gestalten. Dies betrifft den Prozess des Schaffens ebenso wie das Ergebnis selbst. Die Identität des dörflichen Nukleus erfährt eine gemeinschaftliche Stärkung unter Bewahrung und Fortführung städtebaulich-architektonischer wie handwerklicher Qualitäten. Die Beteiligten haben sich vorgenommen, das Projekt bis 2015 vollendet zu haben. Die Anerkennung zum Thüringer Baukulturpreis soll den erreichten Stand in Garbisdorf als vorbildhaft würdigen und zugleich zeigen, wie Baukultur in Thüringen die baulichen Schätze der Vergangenheit nicht nur bewahrt sondern auch heutigen und künftigen Generationen den Wert einer anmutigen Umgestaltung und vielfältigen Nutzbarkeit vermittelt.

Dissertation „Bauen aus der Not. Architektur und Städtebau in Thüringen 1945-1949“

Autor
Ulrich Wieler, Weimar

Betreuung
Bauhaus-Universität Weimar, Mentor Dr. Gerd Zimmermann
Gutachter Prof. Dr. Thomas Topfstedt, Universität Leipzig
Gutachter Prof. Dr. Werner Durth, TU Darmstadt Eingereicht von Ulrich Wieler, Weimar

Beurteilung des Preisgerichts
Mit der Entwicklung von „Planen und Bauen in Thüringen 1945- 49“ greift der Autor ein einerseits historisches Thema auf, das andererseits durch einen starken Bezug zur Gegenwart gekennzeichnet ist. Denn vielfach in Verruf geraten und bautechnisch in eine Erneuerungsphase gekommen, ist die Architektur dieser Zeit zum Teil akut bedroht, ohne dass gerade in Thüringen eine sorgfältige Analyse en detail vorliegen würde. Dieser widmet sich der Autor mit angemessener Sorgfalt. Dabei berücksichtigt er für diese frühe Nachkriegszeit in der Sowjetisch Besetzten Zone des noch ungeteilten Deutschlands gesellschaftspolitische, weltanschauliche und wirtschaftsstrategische Aspekte. Er analysiert die Region, die als „Grünes Herz“ des Landes auserkoren war, und benennt Bodenreform, ländliches Bauen und Kulturversorgung als die baukulturell relevanten Schwerpunkte vor dem Hintergrund der gesamtdeutschen Diskussion nach 1945. Personen und Institutionen suchten neue Rollen – das gilt auch für die Hochschulen in der Landeshauptstadt Weimar, wo Hermann Henselmann bis 1949 Direktor war. Der Autor arbeit deutlich heraus, dass auch in Thüringen „keine moralisch lautere Pause zwischen Nationalsozialismus und SED-Staat für die Architektur“ zu retten ist. Anzuerkennen ist, dass sich Ulrich Wieler einem schwierigen Thema zwischen Historie und Aktualität widmete und sorgfältig recherchierte. Ein jüngeres Kapitel in der Thüringer Baugeschichte wurde umsichtig erschlossen – bleibt der Wunsch der Jury, dass ein Verlag für die Dissertation gefunden werde.

Broschüren „Erfurts grüne Reihe“

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Broschüren „Erfurts grüne Reihe“

Redaktion
Dr. Rüdiger Paul Kirsten, Erfurt

Herausgeber
Landeshauptstadt Erfurt

Beurteilung des Preisgerichts
Die Broschüren der „Grünen Reihe“, die von der Landeshauptstadt Erfurt kostenlos zur Verfügung gestellt werden, überzeugen durch ein hohes Maß an Informationsfülle in Bild und Text. Mit einer Größe von 21 x 10,5 cm und durchschnittlich 40 bis 50 Seiten sind die Broschüren handlich, mit durchgängig farbigen Abbildungen sprechen sie breite Bevölkerungsschichten an. Die „Schwelle“, die Broschüren in die Hand zu nehmen, ist denkbar niedrig gehalten, ohne dass die Inhalte banalisiert oder populistisch herabgestuft wurden. Gärten und Plätze werden den Bürgern mit wissenswerten Informationen über ihre geschichtliche Entwicklung nahe gebracht. Räumliche Konzepte, gartenkünstlerische Strategien und Entwurfsansätze der Gegenwart werden erläutert und in ihrer Umsetzung dargestellt. Die Erfurter Bürger können sich damit sehr unkompliziert, ohne „belehrt“ zu werden, Wissen über ihr Quartier, ihre Stadt, ihre Heimat aneignen. Die Basis dafür, dass sich die Menschen durch dieses Wissen mit ihrer Umgebung identifizieren können, wird durch die „Grüne Reihe“ etwas breiter; die Wahrscheinlichkeit, dass mit Gärten und Plätzen pfleglich umgegangen wird, wächst mit dem Wissen, das hier ambitioniert vermittelt wird.

Film „Willkommen zu Hause Hirschgarten“

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Film „Willkommen zu Hause Hirschgarten“

Umsetzung
EURATIBOR e.V., Projekt Multimedia, Betriebsstätte Erfurt-Gispersleben

Auftraggeber
Landeshauptstadt Erfurt

Beurteilung des Preisgerichts
Baukultur lebt vom Engagement der Bürger. Insofern ist Baukultur auch nicht identisch mit einer auch noch so guten Architektur einzelner Gebäude. Mit Baukultur bezeichnen wir daher auch eher den gesellschaftlichen Prozess, der sich auf das Interesse der Bürger an ihrer gebauten Umwelt gründet. Der Film „Willkommen zu Hause Hirschgarten“, der sich mit der Umgestaltung eines zentralen Platzes in der Stadt Erfurt beschäftigt, ist ein hervorragendes Beispiel für ein solches Interesse und für aktive Teilnahme der Öffentlichkeit an den baulichen Veränderungen der Stadt. Dass es überwiegend Jugendliche waren, die an diesem Film mitgewirkt haben, gibt der Jury umso mehr den Grund, dieses Projekt mit Lob und Anerkennung zu bedenken.

Engere Wahl

Gestaltung öffentlicher Räume in der Altstadt von Schmalkalden

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Gestaltung öffentlicher Räume in der Altstadt Schmalkalden

Foto: Boris Storz

Bauherr
Stadt Schmalkalden

Planungsbüros
terra . nova landschaftsarchitektur, München
wich . architekten, München

Sanierung Vierseithof/ Umbau zu Mehrgenerationen-Gemeindezentrum, Großsaara

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Revitalisierung VierSeithof Großsaara

Bauherr
Gemeinde Saara

Planungsbüros
Architekturbüro Volkhard Lehmann, Münchenbernsdorf
Partnergesellschaft pons asini, linke-grützner-dähne und partner, Mellingen

Grundsanierung Van-de-Velde-Gebäude der Bauhaus-Universität Weimar

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Grundsanierung Van-de-Velde-Bau Bauhaus-Universität Weimar

Bauherr
Freistaat Thüringen

Planungsbüros
Junk & Reich, Architekten BDA, Weimar
Pitz & Hoh, Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege, Berlin

Neubau Forschungs- und Entwicklungsgebäude der Göpel electronic GmbH in Jena

Einreichung zum Baukulturpreis 2010: Göpel electronic GmbH, Neubau Forschungs- und Entwicklungsgebäude in Jena

Foto: Ester Havlova

Bauherr
Göpel electronic GmbH, Jena

Planungsbüros
wurm + wurm architekten ingenieure GmbH, Bühl

Einreichungen

Übersicht aller Einreichungen in den vier Rubriken

Preisverleihung

Radhaus, Seniorensiedlung und Studienprojekt ausgezeichnet

Broschüre

Broschüre zum Baukulturpreis 2010

Zum Thüringer Preis zur Förderung der Baukultur 2010 ist eine Broschüre mit allen Preisträgern, Anerkennungen und den Objekten der Engeren Wahl erschienen. Sie kann kostenfrei bei der Stiftung Baukultur bezogen werden. » Kontaktseite

Auslobung

Text der Auslobung, Stand 1. März 2010